Acetylsalicylsäure - Aspirin©

Klasse: Nicht-Opioidanalgetika

Dynamik

  • analgetisch
  • antipyretisch
  • antiphlogistisch-antirheumatisch in hohen Dosen (5g/d)

Kinetik

  • rasche, nahezu vollständige Resorption (schon im Magen; Ionenfalle)
  • maximale Plasmaspiegel nach 15min
  • First-Pass-Effekt: ca. 30% werden zu Salicylat und Acetat abgebaut
  • Plasmaproteinbindung 60%
  • Plasmahalbwertzeit ist dosisabhängig
    • 0,3g etwa 3h
    • 1g etwa 5-6h
    • hohe Dosen über 30h
  • renale Elimination der Metaboliten (Dosisanpassung bei Leber- und Nierenschädigungen)

Anwendung

  • leichte bis mittlere Schmerzen (Dosis 500mg, bei Bedarf 1000mg)
  • Fieber
  • zur Blutgerinnungshemmung (2-3x100mg/d)

Kontraindikationen

  • gastrointestinale Beschwerden
  • letztes Trimenon der Schwangerschaft
  • bestehende Darmulcera
  • Atopiker
  • Gabe an Kinder mit Virusinfektion (s. NW Reye-Syndrom)
  • Verletzungen mit starker Blutung

Nebenwirkungen

  • Gastrointestinale Beschwerden
    • Übelkeit
    • Sodbrennen
    • Erbrechen
  • innere Blutungen
  • Magen- und Darmulcera
  • Reye-Syndrom bei Kindern nach der ASS-Gabe bei fiebrigen Viruserkrankungen
  • Verzögerung der Geburt
  • Verminderung der Harnsäuresekretion bei analgetischer Dosis, urikosorisch bei hohen Dosen
  • zentralnervöse Beschwerden
    • Hörstörungen
    • Schwindel
    • Sehstöhrungen
    • Ohrensausen
  • Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. der Haut) bis hin zum schweren Asthmaanfall bei Allergikern

Wechselwirkungen

  • Bei gleichzeitiger Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten (Marcumar, Heparin) besteht eine erhöhte Blutungsgefahr.
  • Bei gleichzeitiger Einnahme von Kortison-Präparaten oder Alkohol erhöht sich die Gefahr von Magen-Darm-Blutungen.
  • Acetylsalicylsäure verstärkt die blutzuckersenkende Wirkung von oralen Antidiabetika aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe.

akute Vergiftung

Im Falle einer Vergiftung ist eine forcierte alkalische Diurese wirksam:

  • Infusion mit Elektrolytlösung
  • die Harnproduktion anregende Mittel wie z.B. Furosemid

Es drohen Nierenschädigungen bei akutem Missbrauch

ASS gehört zu der Klasse der Cyclooxygenasehemmer, genauer zu den irreversiblen nichtselektiven COX1- und COX2-Inhibitoren. Ebenso irreversibel bindet ASS an die Thrombozyten (die Hemmung des Hauptmetabolits Salicylsäure an den COX-Enzymen ist kompetitiv-reversibel). Durch die COX-Hemmung vermindert ASS die Synthese bestimmter Prostaglandine, v.a. PGE2 und Prostacyclin, welche im normalen Entzündungsgeschehen die Nozizeptoren sensibilisieren, die für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind. Ebenfalss vermutet wird eine Aktivierung von NFκB, einem Transkriptionsfaktor, der am Enzündungsgeschehen beteiligt ist.

Bei Dosen von 50-100mg hemmt ASS die Thromboxan A2-Synthese und wirkt somit als Thrombozytenaggregationshemmer. Daher die Indikation als Blutgerinnungshemmer, aber auch die zahlreichen Nebenwirkungen hinsichtlich innerer Blutungen.

ASS wird als eines der wenigen Medikamente aufgrund seines niedrigen pKs-Wertes von 3 schon im Magen, der normalerweise kein Resorptionsorgan darstellt, reichlich absorbiert. Durch die saure Ungebung des Magend bei etwa pH3 liegt knapp 50% der ASS ungeladen vor und kann somit die Lipidmembran der Magenschleimhautzellen passieren. Dort herrscht ein pH von 7, also ein Anstieg um 4 Zehnerpotenzen, womit gleichzeitig der Anteil der dissoziierten ASS in der Schleimhautzelle auf 99,99% steigt. Da geladene Teilchen die Lipidmembran kaum durchdringen können, befindet sich die ASS in der sog. "Ionenfalle". Daher der schnelle Wirkungseintritt und leider auch damit verbunden, die starke Belastung der Magenschleimhautzellen.

Bei jeder hämorrhagischen Diathese, Thrombocytopenie, Antikoagulantientherapie und Magen-Darm-Ulzera ist Acetylsalicylsäure selbst in geringer Dosis möglichst zu vermeiden. In diesen Fällen gibt man Paracetamol. 

Struktur:

 ASS, NSAR, Aspirin