Ampicillin - Binotal®, Ampicillin -ratiopharm® / -STADA®©

Klasse: ß-Lactam Antibiotikum; Aminopenicillin

Ampicillin ist ein ß-Lactam Antibiotikum mit erweitertem Wirkspektrum (Aminopenicillin)

Dynamik

  • durch Hemmung des Aufbaus der Bakterienzellwand in der Wachstumsphase der Bakterien bakterizid
  • bindet irreversibel an die bakteriellen Muerinsynthetasen, welche die Peptidoglycan-Stränge der Zellwand verknüpft; die Bakterienwand wird osmolabil und zerfällt

Wirkspektrum:

Gram+ und Gram- Keime

  • Streptokokken                
  • Pneumokokken             
  • H. influenzae                   
  • E. coli (40% resistent)    
  • Enterokokken                 
  • Listerien
  • nicht-penicillinasebildende Staphylokokken

  • Bacillus anthracis
  • Erysipelothrix rusiopathiae

  • Morganella morganii und Providencia rettgeri sind nahezu vollständig resistent

  • nicht im therapeutischen Wirkungsspektrum von Ampicillin liegen Pseudomonas aeruginosa, Klebsiellen, Enterobacter, Serratia, Citrobacter, Yersinien, Aerobacter aerogenes sowie alle penicillinasebildenden Keime

  • kann zur  Resistenzvermeidung mit einem ß-Lactamaseinhibitor ( Sulbactam -> Unacid®) kombiniert werden, da es an sich nicht ß-lactamasestabil ist

Kinetik

HWZ: 1 - 2 h

  • nach oraler Gabe werden 30 – 60 % einer Dosis resorbiert; gleichzeitige Nahrungsaufnahme beeinträchtigt die Resorption (keine orale Darreichungsform verfügbar, da Amoxicillin besser zur oralen Gabe geeignet ist
  • Plasmaproteinbindung ca. 20%
  • die Elimination erfolgt zu 70% unverändert renal, der Rest wird mit den Fäzes ausgeschieden
  • gut gewebegängig, passiert die Plazentaschranke und geht in die Muttermilch über

  • in den Liquor gehen bei intakten Meningen nur 5 % der Ampicillin-Konzentration im Plasma über; bei entzündeten Meningen kann die Ampicillin-Konzentration im Liquor auf 50 % der Ampicillin-Konzentration im Plasma ansteigen

Indikationen

  • Meningitis (zusammen mit einem liquorgängigen Antibiotikum)
  • Endocarditis
  • Sepsis
  • Infektionen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs
  • Infektionen der Atemwege einschließlich Keuchhusten
  • Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane
  • Infektionen der Gallenblase und der Gallenwege
  • Infektionen des Magen-Darm-Kanals (einschließlich der Sanierung von Salmonella-typhi-Dauerausscheidern)
  • Infektionen der Haut und Weichteile
  • Infektionen im Bereich der Augen
  • Listeriosen

Nebenwirkungen

allergische Reaktionen 

häufig (›1 %–10 %) sind allergische Reaktionen, meist in Form von Hautreaktionen (Exanthem, Juckreiz). Eine  urtikarielle Sofortreaktion deutet meist auf eine echte Penicillinallergie hin und zwingt zum Abbruch der Therapie.

gelegentlich (0,1 %–1 %)  schwere, allergische Reaktionen als Folge einer Sensibilisierung gegen die 6-Amino-Penicillansäure-Gruppe, z. B. in Form von Arzneimittelfieber, Eosinophilie, angioneurotischem Ödem, Larynxödem, hämolytischer Anämie, allergischer Vaskulitis und reversibler interstitieller Nephritis

sehr selten (0,01 %) kann es zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock kommen

Magen-Darm-Trakt

häufig (›1 %–10 %) Übelkeit, Erbrechen, epigastrische Schmerzen, weiche Stühle oder Diarrhöen, Enantheme und Schleimhautentzündungen, besonders im Bereich des Mundes.

gelegentlich (0,1 %–1 %) vorübergehender Mundtrockenheit

sehr selten (0,01 %) pseudomembranöse Enterokolitis (meist ausgelöst durch Clostridium difficile)

Sinnesorgane

gelegentlich (0,1 %–1 %) vorrübergehenden Geschmacksveränderungen

Blut

sehr selten (0,01 %) sind Blutbildveränderungen in Form von Granulozytopenie, Thrombozytopenie, Panzytopenie, Anämie oder Myelosuppression

Niere

sehr selten (0,01 %) sind interstitielle Nephritis

sonstige 

sehr selten (›0,01 %) Arzneimittelfieber

Interaktionen

  • keine gleichzeitige Gabe  mit bakteriostatisch wirkenden Chemotherapeutika oder Antibiotika (z. B. Tetracyclinen, Erythromycin, Sulfonamiden oder Chloramphenicol) da antagonistische Effekte eintreten können.
  • die gleichzeitige Gabe von Probenecid führt aufgrund der Hemmung der renalen Ausscheidung zu höheren und länger anhaltenden Ampicillin-Konzentrationen im Serum und in der Galle
  • Aminopenicilline können  die Wirkung oraler Kontrazeptiva mindern

Kontraindikationen

  • Penicillin-Allergie;  Kreuzallergie bei Cephalosporinen

Resistenzen

  • relativ hohe Selektionsdruck des Ampicillins mit dem Risiko einer nachfolgenden Resistenzentwicklung

Strukturformel

  

Applikation 

  • Die Ampicillin-Lösung ist vor dem Gebrauch frisch zuzubereiten. Sie kann Infusionsmedien wie isotonischer Natriumchloridlösung, Ringer-Lösung, 5%iger Glucoselösung und 5%iger Fructoselösung zugemischt werden
  • Ampicillin-Lösungen dürfen nicht gemischt werden mit Aminoglykosiden, Metronidazol,injizierbaren Tetracyclin-Derivaten wie Oxytetracyclin, Rolitetracyclin und Doxycyclin

  • Da Ampicillin als Natriumsalz vorliegt, ist bei Patienten mit schweren Elektrolytstörungen  auf den Natriumgehalt zu achten

  • nichtenzymatische Methoden zur Harnzuckerbestimmung können  falsch-positive Resultate ergeben

Dosierung bei Nierenfunktionsstörungen

Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion mit einer glomerulären Filtrationsrate von 30 ml/min und weniger ist eine Dosisreduktion zu empfehlen, da mit einer Kumulation von Ampicillin gerechnet werden muss:

  • bei einer Kreatinin-Clearance von 20 bis 30 ml/min sollte die Normdosis auf 2/3 reduziert werden
  • bei einer Kreatinin-Clearance unter 20 ml/min sollte die Normdosis auf 1/3 reduziert werden
  • generell sollte bei schwerer Niereninsuffizienz eine Dosis von 1 g Ampicillin in 8 Stunden nicht überschritten werden

Intoxikation

Bei sehr hohen Konzentrationen im Serum, die durch Anwendung sehr hoher intravenöser Dosen (Einzeldosis größer als 10 g) oder auch durch eingeschränkte Nierenfunktion bedingt sein können, kann es zu zentralnervösen Erregungszuständen, Myoklonien und Krämpfen kommen

Pseudomembranöse Kolitis 

  • treten während oder in den ersten Wochen nach Behandlung schwere, anhaltende Durchfälle auf, so kann dies auf eine  pseudomembranöse Kolitis hinweisen ( verursacht meist von Clostridium difficile) Ampicillin Therapie sofort beenden