Cotrimoxazol - COTRIM Forte, Sigaprim, Bactoreduct©

Klasse: Sulfonamid-Analogon und Hemmstoff der DHFR

Dynamik

  • Cotrimoxazol ist ein Kombinationspräparat aus Sulfamethoxazol und Trimethoprim
    • Sulfamethoxazol ist ein Sulfonamid-Analogon und hemmt kompetitiv die Synthese von Dihydropterinsäure
    • Trimethoprim ist ein kompetitiver Hemmstoff der Dihydofolatreduktase
    • Beide Medikamente wirken also als Inhibitoren der bakteriellen Folsäuresynthese an verschiedenen Stellen, der Wirkeffekt ist synergistisch, die MHK sinkt. (Kombinationsverhältnis 1:5)
  • Toxizität und Keimwirung
    • bei Bakterien setzt die Wirkung mit einer Latenz von ca. 6h ein
    • Bei hohen Konzentrationen von PAS sind Sulfonamide wirkungslos
    • Die Kombination von Sulfonamiden wirkt additiv.

Kinetik

  • Die Plasma-HWZ beträgt ca. 9 bis 11h (bei beiden gleich)
  • Resorption nach oraler Gabe ist erfolgt schnell, die Bioverfügbarkeit beträgt um 90%
  • Maximaler Wirkspiegel nach ca. 4h
  • Milch- und Plazentagängig, penetriert Liquor und evtl. Abszesse nur schlecht
  • Die wichtigste Metabolisierung ist eine Acetylierung, man unterscheidet in der Bevölkerung Schnell- und Langsamacetylierer (unterschiedlich lange Wirksamkeit / Kumulation!)
  • Die Ausscheidung erfolgt beinahe ausschließlich renal durch Filtration und Sekretion.
  • Auch um Urin wirksame Konzentrationen; Verwendung zur Therapie von Harnwegsinfektionen.

Klassische Indikationen:

  • klassische einfache Harnwegsinfekte
  • Enteritiden
  • Pneumonien verursacht durch den Erreger Pneumocystis jiroveci (ehemals: carinii) 3-fache Dosis
  • Protozoen-Erkrankungen

Kontraindikationen

  • bekannte Überepmfindlichkeit gegen Sulfonamide inkl. Sulfonamid-Diuretika
  • hämatologische Anämien (Gluc-6P-DH Mangel!)
  • Früh- und Neugeborene während der ersten 4 Lebenswochen (CAVE: Kernikterus)
  • Ausscheidungsinsuffizienz bei Nierenschäden
  • CAVE: niemals in der Schwangerschaft ! (im Tierexperiment teratogen!)
  • lokale Applikation von Sulfonamiden fördert die Sensibilisierung und Resistenzentwicklung

Wechselwirkungen: 

Sulfonamide verstärken die Wirkung von:

  • Sulfonylharnstoffe
  • Cumarine
  • Phenytoin
  • Salicylate
  • Methotrexat
  • Thiobarbiturate

durch eine  Verdrängung aus der Plasmaeiweißbindung

  • Penicilline und Sulfonamide schwächen sich in ihrer Wirkung ab!

Nebenwirkungen

  • Gastrointestinale Störungen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfälle
  • Alle Formen der Allergie, Exanthem bis zur toxischen epidermalen Nekrolyse
  • Phototoxizität
  • Hepatotoxizität
  • hämolytische Anämie (CAVE: bei bekannte Gluc-6P-DH Mangel streng kontraindiziert)
  • Nephrotoxizität

Resistenzsituation

  • Aufgrund einer erheblichen Resistenzentwicklung werden Sulfonamide fast nur noch als Kombipräparat mit  einem DHFR-Hemmer eingesetzt.

 

Struktur:

Sulfamethoxazol

 

Trimethoprim

Keimspektrum:

  • Streptokokken
  • Actinomyceten
  • Burkholderia
  • Nokardien
  • Chlamydien
  • Cyclospora
  • Pneumokokken
  • Hämophilus
  • Pseudomonas
  • Brucella

Überdosierung:

Cotrimoxazol kann bereits ab einer Dosis von 3000mg toxisch wirken. Überdosierungserscheinungen können mit einem oder mehreren Symptomen sowie Gesundheitsproblemen diagnostiziert werden:

  • Ataxie
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Immunschwäche
  • Atembeschwerden
  • Leukopenie
  • Krämpfe
  • Psychosen
  • Depressionen
  • Schweissausbrüche
  • Übelkeit
  • Hautausschlag
  • toxische Gelbsucht

Ferner sind ab einer Dosis von 5000mg Cotrimoxazol permanente Gehirnschädigungen, Nierenversagen, schwere Leberschäden und bei Frauen eine permanente Unfruchtbarkeit bekannt.

Weiteres:

  • Einnahme 1 bis 2h nach der Mahlzeit mit reichlich Flüssigkeit (Resorbtionsverminderung durch Nahrung)
  • Die Einzelgabe von Trimethoprim ist aufgrund der schnellen Resistenzentwicklung nicht sinnvoll, die Kombination allerdings erlaubt es, die beiden Partner geringer zu dosieren was die Nebenwirkungen vermindert.
  • sehr preiswert (Tageskosten ca. 1 Euro)
 Sulfonamid Dihydrofolatreduktase Harnwegsinfekt