Gentamicin - Refobacin, Genta-CT, Bentagentam Augensalbe©

Klasse: Aminoglycosid

Dynamik

  • Gentamicin ist ein Aminoglykosidantibiotikum
    • Bakterizide Wirkung durch Inhibition bakterielle Proteinbiosynthese
    • E entstehen in der Bakterienzelle sog. Nonsense-Proteine
    • Wird gerne in Kombination mit einem ß-Lactam bei schweren Infektionen verwendet.
    • konzentrationsabhängier postantibiotischer Effekt: die erstmalige Dosis ist weitaus wirksamer, bei Zweitexposition (nach ca. 6h) geringere Efficacy. Daher: hochdosierte tägliche Einmalgabe
  • Toxizität und Keimwirung
    • Wirkt in hohen Dosen auch auf eukaryontische Ribosomen
    • Sehr gute Wirkung gegen gram- Stäbchen, deren Membran für Gentamicin sehr permeabel ist (abhängig vom Membranpotential)
    • ausgeprägtes Nebenwirkungsprofil (s.u.), aufgrund dessen hauptsächlich als Bestandteil von Augentropfen und Hautsalben in Gebrauch (z.B. Betagentam Augensalbe)
    • Wirkt nicht gegen Anaerobier 

Kinetik 

  • Die HWZ beträgt ca. 1,8 bis 2,4 h, Plasmaproteinbindung ist minimal, Aminoglycoside sind stark polar
  • Keine orale Resorbtion, appliziert wird meist i.v. als Kurzinfusion
  • Keine Metabolisierung  (wirksame Konzentrationen im Urin)
  • Die Elimination erfolgt zu > 90% renal
  • Mäßig bis schlecht gewebegängig (stark polar):
  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion: Gefahr eine Kumulation; striktes Drug-Monitoring ist indiziert wenn länger als 7d therapiert wird.

Klassische Indikationen:

  • Fast immer in Kombination mit einem ß-Lactam bei:
  • Infektionen mit gram- Keimen als Breitband AB
  • bei Patienten mit Immunsuppression
  • bei septischen Infektionen und Pseudomonas

Kontraindikationen

  • Niereninsuffizienz
  • Schwangerschaft
  • Vorschädigung des Innenohres
  • strenge Indikation bei Urämie
  • bekannte Aminoglycosid-Allergie
  • Myasthenia gravis

Nebenwirkungen

Geringe therapeutische Breite !!  

  • Gastrointestinale Störungen, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfälle
  • Nephrotoxizität: Gentamicin wird in die proximalen Tubuluszellen eingeschleust und akkumuliert dort
  • Ototoxizität: Gefahr eines irreversiblen Verlustes der Hörsinneszellen
  • Neuromuskuläre Blockaden
  • Allergische Reaktionen
  • Blutbildveränderungen, Transaminasenanstieg,

Wechselwirkungen:

  • Schleifendiuretika (vermehrte Nephrotoxizität)
  • ebenso Cyclosporin und Vancomycin (da ebenfalls nephrotoxisch)
  • Muskelrelaxantien und Hypnotika (Verstärkung der neuromuskulären Blockade)

Resistenzsituation

  • Resistenzen gegen Gentamicin werden über einen R-Faktor erworben; (u.a. Acetyltransferasen, Phosphotransferasen)
  • Im Falle der Resitenz ist eine Kreuzresistenz mit Aminoglycosiden wie Tobramicin zu erwarten, aber: Amikacin kann noch wirksam sein, es ist am schwersten zu modifizieren. 

 

Strukturformel:

 

Erregerspektrum:

  • E.coli
  • Klebsiellen
  • Proteus mirabilis
  • Pseudomonas aeruginosa
  • Citrobakter
  • Serratia marescens
  • Enterobacter
  • Yersinia enterocolica

desweiteren auch:

  • Staph. aureus/epidermidis

  • Yersinia pestis
  • Brucella abortus

Fast immer als Kombination mit einem ß-Lactam 

Besonderheiten:  

  • Bei Morbus Menière wird die ototoxische Nebenwirkung des Gentamicin ausgenutzt - man appliziert es, um die Sinneszellen im Ohr gezielt zu schädigen und somit den teils extremen Schwindelanfällen entgegen zu wirken. 
  • Bei Verwendung von Gentamicin muss regelmäßig aufgrund der Nebenwirkungen das Serum-Kreatinin, das Blutbild und die Innenohrfunktion überprüft werden - im Zweifelsfalle absetzen ! 
  • Weit verbreitet ist Gentamicin wegen seines geringen Preises und der guten Wirksamkeit noch in der Veterinärmedizin
  • Durch ihre basische Struktur verlieren sie im sauren Gewebe (Entzündung) an Wirksamkeit, da Anaerobier durch ihren Stoffwechsel das Gewebe ansäuern, wirken Aminoglycoside hier nicht. 
 gramnegativ, gram-, ototoxisch, nephrotoxisch, lokal, Salbe