Clonidin - Catapresan, Clonid-Ophtal, Clonistada, Dispaclonidin, Haemiton, Isoglaucon, Paracefan©
Klasse: selektives a2-Sympathomimetikum
Imidazolinderivat mit präferenzieller agonistischer Wirkung an a2-Adrenozeptoren
Dynamik
- Zentral Erregung von postsynaptischen α2-Rezeptoren in der Medulla oblongata, dadurch Hemmung nachgeschalteter efferenter sympathischer Fasern, Verminderung des Sympathikotonus, Sedation
- In der Peripherie Erregung von präsynaptischen α2-Rezeptoren, dadurch verminderte Ausschüttung von Noradrenalin und Acetylcholin
- Hemmung der Freisetzung von Renin in der Niere
- neu: Hemmung kardialer Schrittmacherkanäle (HCN-Kanäle)
Kinetik
- sehr lipophil, dadurch leichte Penetration durch die Blut-Hirn-Schranke
- rasche Resorption
- Bioverfügbarkeit 75%
- Gabe p.o oder i.v.
- t1/2: 10 bis 12 h
- Elimination renal, 65% unverändert, 35% nach Metabolisierung in der Leber
Indikationen
- Reservetherapeutikum bei arterieller Hypertonie
- hypertensive Krise (i.v.-Gabe unter EKG-Monitor-Kontrolle)
- Prophylaxe von Migräneanfällen
- Glaukom
- Bei Opiat-/Alkoholentzug zur Bekämpfung der Entzugssymptome (Reduktion der zentralnervösen Catecholamin-Überflutung, Sedierung)
Nebenwirkungen
- zentrale Dämpfung, Müdigkeit
- Mundtrockenheit, verminderter Speichelfluss
- Austrocknen der Nasenschleimhaut
- Obstipation
- Haarausfall
- orthostatische Dysregulation, Bradykardie
- Impotenz
- allergische Reaktionen
- Bei i.v.-Gabe: eventuell Biphasic Response: initialer Blutdruckanstieg aufgrund Stimulation peripherer postsynaptischer α2-Rezeptoren an Gefäßmuskulatur, Kontraktion. Später überwiegt Baroreflex.
- VORSICHT bei plötzlichem Absetzen hoher Dosen: Rebound-Phänomen: Übererregbarkeit, Nervosität, Zittern, Tachykardie, Blutdruckanstieg, Übelkeit; Grund: Wiederausschüttung von Noradrenalin (Hemmung aufgehoben), jedoch Up-Regulation der Rezeptoren
Kontraindikationen
- schwere Herzinsuffizienz
- Phäochromozytom
- Raynaud-Syndrom
- Hang zur Depression (kann Enstehung endogener Depression begünstigen)
- Bradykardie
- zerebro-vaskuläre Insuffizienz
- Obstipation
Interaktionen
- Sympathische Überaktivität bei gleichzeitiger Gabe von ß-Blockern/Herzglykosiden (Rebound)
- Abgeschwächte Wirkung bei gleichzeitiger Gabe von Antidepressiva/Neuroleptika
- Wirkungsverstärkung durch Alkohol und zentral dämpfende Pharmaka
Die Bedeutung von Clonidin für die Hochdrucktherapie ist heute wegen der Nebenwirkungen nicht mehr so groß, es gilt als Mittel der dritten Wahl!!!
Struktur
Auch einige Pharmaka, die zur Schleimhautabschwellung führen (z.B. Oxymetazolin), sind Imidazolin-Derivate.
Übrigens: Die blutdrucksenkende Wirkung von Clonidin wurde zufällig entdeckt, als verschiedene Substanzen zur Abschwellung der Nasenschleimhaut getestet wurden