Heparin niedermolekular - Fragmin, Clexane©
Klasse: Heparin
Zum Vergleich siehe auch {{PC:Heparin unfraktioniert}}.
Dynamik
- Heparin ist ein Glukosaminogylkan, d.h. ein Polymer aus D-Glukosamin und D-Glukuronsäure/L-Iduronsäure. Es besitzt viele negative Ladungen bedingt durch N-Sulfatierung (Monomere: 9-20). Molekulargewicht 4000-6500 Da.
- Heparin beschleunigt die Reaktion von Antithrombin III mit dem Gerinnungsfaktor Xa um mehr als das 700 fache. Antithrombin III bindet irreversibel an das aktive Zentrum der Gerinnungsfaktoren XIIa, XIa, Xa, VIIa und IIa (Serinproteasen) und inaktiviert diese.
- Nierdermolekulares Heparin kann an Antithrombin III binden, welches dann v.a. den Gerinnungdfaktor Xa inaktiviert, ohne das FXa selbst an Heparin gebunden werden kann.
- Thrombin (FIIa) kann über diesen Mechanismus nicht inaktiviert werden, da es gemeinsam mit Antithrombin III an Heparin gebunden werden müsste. Dafür ist das niedermolekukare Heparin aber nicht lang genug.
Kinetik
- intravenöse und subkutane Applikation möglich
- Bioverfügbarkeit ca. 90%
- Halbwertszeit: 2-4h (i.v.), 4-6h (s.c)
- Niedermolekulares Heparin wird renal eliminiert. Es kommt zur Kumulation bei Niereninsuffizienz.
Anwendung
- Thromboseprophylaxe: Bei Operationen mit extrakorporalem Kreislauf, bei länger andauernder Bettlägerigkeit, Thromboseneigung u.a.
- Therapie von thrombotischen Zuständen und Embolien: akuter Myokardinfarkt, instabile Angina pectoris, verbrauchskoagulopathien u.a.
Kontraindikationen
- Blutungen bzw. Blutungsneigung (Ulcera, offene wunden, Malignom mit Blutungsneigung u.a.)
- schwerwiegende Hypertonie
- OP und/oder Traumata in den letzten Wochen
- Retinopathie
- hohes Alter
- bakterielle Endokarditis
- Leber- und Nierenfunktionsstörungen
- akute Pankratitis
Nebenwirkungen
- Innere Blutungen, subkutane Blutungen, Wundblutungen
- selten Thrombozytopenie: (wahrscheinlich immunbedingt, Heaprin wirkt als Antigen)
- Typ I: Thrombozytenzahl: 100 000 - 150 000 pro Mikroliter. Doisabhängig, leichter Verlauf, tritt meist zu Beginn der Therapie auf.
- Typ II: Thrombozytenzahl < 80 000 pro Mikroliter. Thrombosegefahr, Heparin sofort absetzten, tritt (ohne vorherige Sensibilisierung) nach 1-2 Wochen auf.
- allergische Reaktionen
- Osteoporose (bei Langzeittherapie)
- Haarausfall
- Hyperkaliämie
Wechselwirkungen
- Niktotin, Ascorbinsäure, Antihistaminika, Digitalis, Tetrazykline, trizyklische Psychopharmaka u.a. schwächen die Heparinwirkung ab bzw. hemmen die Heparinwirkung.
- Zytostatika verstärken die Heparinwirkung. Ausnahme: Doxorubicin schwächte die Wikung von Heparin ab.
Intoxikation
Die Wirkung von niedermolekularem Heparin lässt sich nur schlecht durch Protamin antagonisieren.
Therapiekonrolle
Eine Kontrolle der Therapie, durch die Messung der Partiellen-Thromboplastin-Zeit (PTT) ist in der Regel nicht notwendig.
Schwangerschaft
Schwangerschaft und Stillzeit stellen keine Kontraindikation für eine Therapie mit Heparin dar.
Untereinheit von Heparin: